VAUDE hat schon immer viel Wert gelegt auf partnerschaftliche, verantwortungsvolle und persönliche Geschäftsbeziehungen. Generell gilt: Wir arbeiten immer direkt mit allen Produzenten zusammen und versuchen, so wenig wie möglich über Agenturen zu bestellen.
Wir haben großes Interesse an langfristigen Beziehungen zu unseren Produzenten: Anstatt einer „Hire and Fire“-Politik mit dem Ziel des Preisdumpings bauen wir über die Jahre eine zuverlässige Kooperation auf, da nur so bei den Partnern ein fundiertes Verständnis unserer Qualitätsansprüche möglich ist. Auf diese Weise entsteht eine langjährige Kooperation auf gegenseitiger Vertrauensbasis, die eine offene und konstruktive Zusammenarbeit ermöglicht.
Im Berichtsjahr wurden 51 Prozent des gesamten Produktionsvolumens von VAUDE durch Partnerschaften umgesetzt, die bereits länger als fünf Jahre bestehen. Zudem beträgt das Produktionsvolumen bei 67 Prozent aller unserer Produzenten mehr als zehn Prozent ihrer gesamten Kapazität.
Um ein unabhängiges Monitoring der Arbeitsbedingungen in den Produktionsbetrieben zu gewährleisten, ist VAUDE seit 2010 Mitglied der unabhängigen Non-Profit-Organisation „Fair Wear Foundation“ (FWF). Unser Ziel ist es, im Austausch mit den Experten der „Fair Wear Foundation“ und anderen Mitgliedsunternehmen eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in unseren Produktionsbetrieben zu erreichen.
Die „Fair Wear Foundation“ (FWF) ist eine Non-Profit- und Multi-Stakeholder-Organisation, die mit den teilnehmenden Marken-Unternehmen, Händlern und Produzenten zusammenarbeitet, um die Arbeitsbedingungen in der nähenden Textilindustrie zu verbessern.
Als Mitglied der „Fair Wear Foundation“ verpflichten wir uns dazu, in allen Produktionsstätten die weltweit geltenden Mindeststandards auf Basis der „Internationalen Labour Organization“ (ILO) einzuhalten. Sie umfassen acht Punkte:
Der vollständige Kodex der „Fair Wear Foundation“ („Code of Labour Practices“, CoLP) kann hier heruntergeladen werden: „Code of Labour Practices“.
Die Fair Wear Foundation setzt den Fokus dabei ausschließlich auf die Produzenten, da dort der arbeitsintensive Nähprozess stattfindet, bei dem viele Arbeiter benötigt werden. Eine Automatisierung dieses Prozesses ist kaum möglich. Material-Lieferanten werden nicht überprüft.
Den Entschluss, der FWF beizutreten, hat VAUDE aus zwei wesentlichen Gründen gefasst: Zum einen basiert das Monitoring der Arbeitsbedingungen bei den Produzenten nicht nur auf punktuellen Audits (Untersuchungsverfahren), sondern auf einem ganzheitlichen Managementsystem.
Dieses ermöglicht, dass alle Arbeitsabläufe, Zeitschienen und Verantwortlichkeiten für die Produktion in der Firmenzentrale sukzessive so optimiert werden, dass der jeweilige Produktionsbetrieb langfristig planen kann. Wir wollen damit beispielsweise schon zu Beginn unserer Kollektionsplanung dafür sorgen, dass Überstunden in der Produktion durch zu späte Auftragserteilung vermieden werden.
Zum anderen basiert das System der „Fair Wear Foundation“ auf dem Prinzip der geteilten Verantwortung, also zwischen uns als Auftraggeber und dem Management des Produktionsbetriebs, ohne dessen Verständnis und aktive Mitwirkung Verbesserungsmaßnahmen nicht nachhaltig wirken können.
Die „Fair Wear Foundation“ fasst die Ergebnisse nach dem Audit in einem sogenannten „Corrective Action Plan“ (CAP) zusammen, in dem die erforderlichen Verbesserungen aufgeführt sind. Die im CAP genannten Verbesserungsvorschläge setzen wir gemeinsam mit dem Produzenten um. „Die Fair Wear Foundation“ verifiziert regelmäßig die erreichten Fortschritte.
Unsere Produzenten unterzeichnen alle neben dem VAUDE-Qualitätshandbuch den „Code of Labour Practices“ der „Fair Wear Foundation“ als festen Vertragsbestandteil. Zudem klären wir umfassend über die FWF und unsere Mitgliedschaft auf. Bei der Wahl neuer Produzenten wird berücksichtigt, ob dieser bereits andere Umwelt- oder Sozial-Zertifikate hat.
Bevor ein neuer Produzent beauftragt wird, finden Besuche durch die VAUDE Produktionsleiterin statt, die gleichzeitig Mitglied im VAUDE CSR-Team am Hauptstandort der Firma ist – mehr zum VAUDE CSR-Team in „CSR-Team als Nachhaltigkeits-Treiber“.
Jedes System ist nur so gut, wie es in der Praxis gelebt wird. Als Mitglied der „Fair Wear Foundation“ gilt für VAUDE und seine Produzenten das Prinzip der gemeinsamen Verantwortung: Wir begleiten unsere Lieferanten bei der permanenten Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
Gleichzeitig arbeiten wir an unseren eigenen Abläufen beim Planungs- und Bestellprozess, um so die Voraussetzungen zu schaffen, dass unsere Auftragnehmer die Kapazitäten an Arbeitskräften und Maschinen frühzeitig planen können. So stellen sie eine fristgerechte Lieferung sicher, ohne übermäßige Überstunden leisten zu müssen.
Unser Monitoring-System entspricht den Vorgaben der „Fair Wear Foundation“. Im jährlichen VAUDE-Arbeitsplan legen wir fest, welche Produzenten im darauffolgenden Jahr auditiert werden. Dabei legen wir die Priorität auf Produzenten mit hohem Produktionsvolumen, beziehungsweise mit langjähriger Zusammenarbeit sowie auf Produzenten, bei denen wir wissen, dass eine Kooperation weiterhin Bestand haben wird, auch wenn unser Produktionsvolumen noch klein ist.
Von der „Fair Wear Foundation“ (FWF) gibt es zudem Informationen über jene Länder, in denen das Risiko schlechter Arbeitsbedingungen besonders hoch ist – siehe dazu „Strenge Kontrollen in Risikoländern“. Die FWF schreibt vor, dass ab dem dritten Mitgliedsjahr 90 Prozent der Lieferkette auditiert sein müssen. Damit wird gewährleistet, dass fast alle Produzenten auditiert werden.
Die hier aufgeführten Prozent-Angaben gemäß der Richtlinien der FWF-Bewertung beziehen sich auf das Jahr 2014. Umgesetzt wurde der 2014 erstellte Arbeitsplan. Alle weiteren Ergebnisse beziehen sich somit auf die im Jahr 2014 stattgefundenen Audits.
Während der Audits werden die Produzenten anhand der Sozialstandards des „Code of Labour Practices“ hinsichtlich der Arbeitsbedingungen und der Menschenrechte in ihrem Betrieb geprüft sowie weitere Aspekte zur Umsetzung des Monitorings bewertet. Das Audit-Team besteht aus unabhängigen einheimischen Auditoren oder Beauftragten der „Fair Wear Foundation“.
Die Audits bestehen aus mehreren Teilen:
Zusätzlich werden zum Check der drei Punkte jeweils die lokalen „Stakeholder“ befragt, also alle, die ein berechtigtes Interesse am Unternehmen haben wie Aktionäre, Angestellte, Kunden.
Nach jedem Audit wird gemeinsam mit dem Audit-Team und dem Management des jeweiligen Produktionsbetriebes ein verbindlicher Maßnahmenplan (CAP) vereinbart. VAUDE übernimmt die Verantwortung dafür, dass die darin genannten Maßnahmen umgesetzt werden.
Hierbei unterstützen VAUDE Mitarbeiter in China und Vietnam, die eigens für das Thema FWF zuständig sind, aktiv die Produzenten vor Ort.
Bei Schwierigkeiten in der Umsetzung wird gemeinsam mit dem Produzenten im Jahresgespräch eine Lösung gesucht.
Im Laufe des Jahres wird jeder Produzent persönlich von VAUDE besucht. Dabei wird zusätzlich zu Qualitätsthemen festgelegt, wie der CAP abgearbeitet wird, welche weiteren Maßnahmen gegebenenfalls nötig sind und wann die nächsten Audittermine stattfinden.
Nach drei Jahren erfolgt ein erneutes Audit durch die FWF, um die Fortschritte zu überprüfen. Falls erforderlich, wird dabei ein neuer Maßnahmenplan erarbeitet.
Um die Nachverfolgung der Audits und die Umsetzung der aus den Audits resultierenden Maßnahmenpläne zu verbessern und stärker zu systematisieren, haben wir seit 2012 unsere eigenen Mitarbeiter vor Ort in China und Vietnam deutlich stärker in die Thematik einbezogen: Zum einen unsere Teamleiter der Qualitätssicherung in Vietnam und China, zum anderen unser Büro in Shanghai.
Alle Mitarbeiter vor Ort sind Einheimische und kennen daher Sprache und Kultur samt nationaler, regionaler und lokaler Gegebenheiten und Vorschriften. Wir haben die Teams personell verstärkt und jeweils einen Teamleiter der Qualitätssicherung in Vietnam und China intensiv zum Thema CSR und Sozialstandards geschult.
Über diese Trainings-Maßnahmen bieten wir unseren Produktionsbetrieben direkte Hilfestellung bei der Umsetzung von Sozialstandards. Koordiniert wird die Umsetzung der Maßnahmenpläne über unser Büro in Shanghai. Dorthin berichten die auditierten Betriebe über alle ergriffenen Maßnahmen und erhalten Unterstützung bei Problemen.
Um das Monitoringsystem der „Fair Wear Foundation“ im gesamten Unternehmen und insbesondere im gesamten Produktentwicklungs- und Produktionsprozess weiter zu verankern, haben wir an unserem Hauptstandort in Tettnang-Obereisenbach eine Reihe von internen Informationsveranstaltungen und Schulungen durchgeführt.
Wir nutzen hierfür das Intranet, die VAUDE Academy und unsere zweimal im Jahr stattfindenden Kollektions-Vorstellungen vor dem gesamten internationalen Vertrieb. Darüber hinaus ist die FWF mit allen dazugehörigen Themen ein fester Bestandteil der internen Update-Meetings aller VAUDE-Produktbereiche. Es wird jährlich an die Geschäftsleitung berichtet, inklusive der Vorlage sämtlicher Maßnahmenpläne.
Der Managementansatz wird einmal jährlich von der „Fair Wear Foundation“ beim „Brand Performance Check“ bewertet und ist Bestandteil unserer Mitgliedschaft. Somit sind eine unabhängige Bewertung und Beurteilung sichergestellt.
In den sogenannten „Brand Performance Checks“ (BPC) werden folgende zwei Hauptaspekte überprüft:
Im „Work plan“ werden die Bemühungen, die VAUDE im kommenden Jahr umsetzen will, mit den entsprechenden Maßnahmen aufgeführt. Dies schließt folgende Themenfelder ein.
Die FWF hat festgelegt, wie viele Produktionsbetriebe pro Jahr auditiert werden und aktiv kontrolliert werden müssen. Diese Prozentzahl bezieht sich auf das Gesamt-Einkaufsvolumen von VAUDE bei den Produzenten pro Jahr.
Beide Aspekte werden geprüft und in einem Punktesystem bewertet.
Performance Check | Führend | Gut | Verbesserungsbedarf |
---|---|---|---|
1. Jahr |
- |
- |
- |
Nach 1. Check |
Punkte 75+ UND Monitoring 90%+ |
Punkte 30 -74 UND Monitoring 40%+ |
Punkte 0 -29 UND/ODER Monitoring <40% |
Nach 2. Check |
Punkte 75+ UND Monitoring 90%+ |
Punkte 40 -74 UND Monitoring 60%+ |
Punkte 0 -39 UND/ODER Monitoring <60%* |
Nach 3. Check |
Punkte 75+ UND Monitoring 90%+ |
Punkte 50 -74 UND Monitoring 90%+ |
Punkte 0-49 UND/ODER Monitoring <90%* |
Folgende Tabelle zeigt die Bewertung für das Jahr 2014 beim „Brand Performance Check“.
Kategorie | Punktzahl | Möglich |
---|---|---|
Einkaufsstrategien |
36 |
42 |
Überwachung und Maßnahmen zur Abhilfe |
26 |
32 |
Beschwerdemechanismus |
10 |
15 |
Trainings und Wissensmanagement |
7 |
9 |
Informationsfluss |
7 |
7 |
Transparenz |
4 |
4 |
Beurteilung / Auswertung |
2 |
2 |
Total: |
92 |
111 |
Daraus ergibt sich ein „Benchmarking Score“ von 83 Prozent, der uns in die Kategorie „Leader“ der Fair Wear Foundation führt. Im Jahr 2014 wurde erreicht, dass sich 96 Prozent unserer Produktionskette im Monitoring befinden.
Trotz unserer guten Ergebnisse wurden während des Brand Performance Checks einige Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten identifiziert, an denen wir jetzt verstärkt arbeiten werden.
Aufgabe ist es jetzt, diese Punkte verstärkt in das Jahr 2015 einzubringen und voranzutreiben.
GRI: | HR10 |
GRI: | HR11 |
GRI: | LA14 |
GRI: | DMA Bewertung der Lieferanten hinsichtlich Menschenrechtsverletzungen |
GRI: | DMA Bewertung der Lieferanten hinsichtlich Arbeitspraktiken |
GRI: | DMA Beschaffung |
GRI: | DMA Beschäftigung |
GRI: | DMA Zwangs- oder Pflichtarbeit |
GRI: | DMA Marktpräsenz |
GRI: | DMA Vielfalt und Chancengleichheit |
GRI: | DMA Gleicher Lohn für Frauen und Männer |
GRI: | DMA Gleichbehandlung |
GRI: | DMA Kinderarbeit |
GRI: | DMA Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen |
GRI: | DMA Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz |
GRI: | DMA Beschwerdemechanismen hinsichtlich Arbeitspraktiken |
GRI: | DMA Beschwerdemechanismen hinsichtlich Menschenrechtsverletzungen |