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Nachhaltigkeitsbericht 2020
veröffentlicht am 02.08.2021

Verpackungs-Problem Einweg-Plastik

Die meisten VAUDE Verpackungen sind aus umweltfreundlichem Karton. Auf Kunststoffe können wir trotzdem nicht ganz verzichten.

Problem Plastiktüten

Sie sind überall: Tüten aus Plastikfolie. Um unsere Produkte sauber und sicher bis in dein Lieblings-Fachgeschäft oder per Paket zu dir nach Hause zu transportieren, müssen sie verpackt sein. Zu Plastikfolie gibt es derzeit dafür leider keine echte Alternative.



Einwegprodukte verschwenden Ressourcen

Wie bei allen Einwegprodukten ist dabei nicht das wertvolle, hochfunktionelle, mit hohem Ressourcenaufwand hergestellte Material Kunststoff an sich das größte Problem, sondern die Tatsache, dass es nur ein einziges Mal für kurze Zeit benutzt wird. 95 % aller Plastikverpackungen werden weder recycelt noch anderweitig weiterverwendet: Welch Verschwendung! Auch wenn die EU bereits einzelne Einwegprodukte aus Kunststoff verbietet – Verpackungen sind davon bisher nicht betroffen.



Schutz vor Schmutz muss sein

Das Problem sind vor allem die durchsichtigen Folientüten. Jedes einzelne Produkt ist darin verpackt:


  • Weil es auf allen Transportwegen vor Nässe, Schimmel und Schmutz geschützt sein muss;
  • Weil Speditionen und Lagerlogistik damit besser arbeiten können, aufgeklebte Barcode-Etiketten praktisch sind und die Produkte im Lager nicht beschädigt werden;
  • Weil viele Fachhändler uns die einzelne Verpackung als Anforderung vorgeben, um die Produkte in ihren eigenen Abläufen zu schützen und einfacher zu handhaben.


Wir können also momentan nicht einfach darauf verzichten. Das ist unbefriedigend, aber leider Realität.



Plastikverpackungen aus Recyling-Material

Wenn wir schon nicht auf die Folientüten verzichten können, wollen wir wenigstens solche aus recyceltem Material verwenden. Das spart fossile Ressourcen, Plastikmüll und klimaschädliche Emissionen ein.


VAUDE Earthbags aus recyceltem Material

Am besten wäre, wenn wir aus gebrauchten Verpackungen neue Tüten machen könnten. Zum Beispiel aus dem “Gelben Sack”, in dem gebrauchte Kunststoffverpackungen in Deutschlands Haushalten gesammelt werden. Damit würden wir zumindest den Rohstoff-Kreislauf ein Stück weit schließen, wenn wir schon noch Plastiktüten einsetzen müssen.

So einfach ist es aber leider nicht mit gebrauchten Verpackungen als neuem Rohstoff: Da die Inhalte des Gelbes Sacks immer unterschiedlich sind, ist die Qualität der daraus gewonnenen Folien auch sehr unterschiedlich. Sie sind teilweise nicht stabil genug, man sieht “Schlieren” oder andere Verunreinigungen darin oder sie “müffeln”. Deshalb machen wir gemeinsam mit unseren Tüten-Lieferanten weitere Tests und versuchen, eine ausreichende Qualität herzustellen.

Bis uns das gelingt, machen wir einen Zwischenschritt und verwenden Folientüten aus Kunststoffabfällen, die in der Industrie anfallen und damit deutlich sortenreiner und qualitativ hochwertiger sind. Da sie sonst auch als Abfall entsorgt werden müssten, gilt auch dies als Recycling-Material und ist nach dem Recycled Claims Standard zertifiziert.

Trotzdem versuchen wir, Folientüten einzusparen oder zu verkleinern, wo es geht. Wir haben dazu versucht, Produkte anders als bisher zu falten oder sie zu rollen, damit wir kleinere Tüten verwenden können. Das Ergebnis ist einigermaßen ernüchternd: Viele Produkte sind danach sehr zerknittert. Wäre das ein Problem für dich? Wir freuen uns über deine Rückmeldung über den “Schreib uns” Knopf auf dieser Seite!



Großes Problem für die Textilindustrie

Wir wissen, dass die gesamte Textil-Branche hier ein großes Problem hat, für dessen Lösung wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen müssen: Verpackungshersteller, Outdoor-Marken, Groß- und Einzelhändler, Logistikpartner und du als Konsument.


VAUDE arbeitet deshalb unter dem Dach des Europäischen Outdoor-Verbands European Outdoor Group gemeinsam mit anderen Marken und Händlern daran, Alternativen für die Folientüten aus Einwegplastik zu finden. Dabei geht es nicht nur darum, ein Material durch ein anderes zu ersetzen. Vielmehr ist unser Ziel, Verpackungslösungen ganz neu zu denken und das System „Einwegverpackung“ zu verändern. Wir werden an dieser Stelle weiter darüber berichten.


Ökologisch unsinnigerweise ist es leider auch noch immer so, dass recycelte Materialien in der Regel deutlich teurer sind als neue. Das gilt auch für Verpackungen.


Immerhin: Dank des deutschen Verpackungsgesetzes muss jedes Unternehmen, das Verpackungen in Verkehr bringt, seine Mengen je Material erfassen. Das führt zu einem höheren Problembewusstsein bei den Entscheidern in der Wirtschaft, denn alle Verpackungen, die beim Kunden im Haushalt landen, müssen lizensiert werden. Je weniger Verpackungsmüll wir verursachen, desto mehr Geld sparen wir ein.



Und was ist mit biologisch abbaubaren Verpackungen?

Sind Tüten aus Mais- oder Kartoffelstärke eine Lösung? Nein!

„Kompostierbare“ Kunststoffe setzen wir auf Empfehlung des Umweltbundesamtes für Einweg-Artikel wie Verpackungen nicht ein. Zwar sind diese theoretisch biologisch abbaubar, aber bisher in der Regel nicht in „freier Wildbahn“, sondern nur unter industriellen Kompostierbedingungen mit hohen Temperaturen und ohne Sauerstoffzufuhr.

Das ist ein Problem für die Verwendung in der Kompost- oder Biogas-Gewinnung: Meist verrotten sie erheblich langsamer als organische Abfälle, blockieren daher konventionelle Biogas-Anlagen und müssen mühsam aus dem Kompost gefischt werden. Dann werden sie als Restmüll verbrannt. Das ist weder ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll.

Auch im Plastikmüll haben sie nichts zu suchen: Da sie aus organischen Materialien bestehen, können sie nicht recycelt werden. Auch hier landen sie am Ende im Restmüll.

Selbst die Herstellung von Biokunststoffen ist nicht umweltfreundlicher: Nach aktuellem Stand der Technik wird dafür noch mehr Energie als für neue Kunststoffe benötigt. Deshalb ist Bioplastik nur für langlebige Produkte sinnvoll, aber nicht für Einweg-Verpackungen.

Wir sind deshalb davon überzeugt: Plastik-Verpackungen mit einem möglichst hohen Anteil an Recyclingmaterial ist momentan die umweltfreundlichste Lösung. Welche Zielkonflikte wir bei Bioplastik auch noch haben, kannst du hier lesen

32 % aller Plastikverpackungen landen in der Umwelt – vor allem in Asien

Europa und Nordamerika verursachen zwar insgesamt mehr Kunststoff-Müll, aber in großen Teilen Asiens landet er mangels geregelte Abfallentsorgung oft ungebremst im Meer. VAUDE unterstützt den WWF beim Aufbau einer Abfallwirtschaft im Mekong-Delta.

Troy Mayne, WWF
Troy Mayne, WWF

Die Plastikproduktion weltweit hat sich in den letzten 50 Jahren verzwanzigfacht. Von den weltweit ca. 80 Millionen Tonnen Verpackungen aus Plastik landen erschreckende 32 % in der Umwelt - mit Abstand das meiste davon in Asien: Hier fehlt einfach eine geregelte Abfall-Entsorgung, bei der die Kunststoffe gesammelt und sinnvoll weiterverwertet werden – sei es auch nur als Brennstoff für die Strom- oder Wärmeerzeugung. 

VAUDE unterstützt ein großes Modellprojekt des WWF, der im ökologisch besonders wertvollen vietnamesischen Mekong-Delta eine Abfallwirtschaft aufbaut. Ziel ist nicht nur, die Umwelt von den Unmengen von Plastik zu befreien, sondern auch, Bewusstsein bei Politikern und Bevölkerung zu schaffen: Zum einen für die Bedrohung der Lebensgrundlagen von Mensch und Tier durch Müll, zum anderen für das wirtschaftliche Potential, was mit der Sammlung, Sortierung und Weiterverwertung von Kunststoffen verbunden ist.

VAUDE vernetzt Lieferanten in der Region mit dem WWF im Projektgebiet, mit dem Ziel, dass sie zu konkreten Lösungen vor Ort für das Sammeln und Recyceln von Kunststoffen beitragen. Mehr zu dem Projekt hier

Selbst die Kunststoff-Industrie hat das Problem erkannt und sich auf den Weg gemacht, zu einer Lösung beizutragen.

Verpackungen bei VAUDE: Vorgaben und Mengen

VAUDE hat bereits seit 2014 eine Verpackungsanweisung für Lieferanten, mit klaren Vorgaben zur maximalen Verpackungsgröße, erlaubten Materialien und einer vorgeschriebenen Pflichtkennzeichnung für alle Verpackungen, die eine Sortierung und das Recycling ermöglicht.

Diese Anweisung ist Bestandteil unserer Einkaufsverträge und gilt damit verbindlich für alle VAUDE-Produkte. Die Einhaltung kontrollieren wir stichprobenartig im Wareneingang.

Wir sind derzeit dabei, diese Anweisung zu überarbeiten. Unser Ziel ist, deutlich stärker als bisher den Hebel anzusetzen, um gemeinsam mit unseren Lieferanten nicht vermeidbare Verpackungen so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten.

Hier gibt´s die VAUDE Verpackungsanweisung zum Download



Verkaufsverpackungen für Produkte aus Manufaktur OEB (inventurbereinigter Verbrauch)

 

2019

2020

Verkaufsverpackungen für Produkte aus Manufaktur OEB ( Verbrauch laut Stückliste)

15,8 Tonnen

16,7 Tonnen

Kartonage (Verkaufsverpackungen) (t)

13,5 Tonnen

15,6 Tonnen

Polybeutel (Verkaufsverpackungen) (t)

2,3 Tonnen

1,0 Tonnen

 
 

Transportverpackungen für Versand Produkte an Fachhandel ab OEB (inventurbereinigter Verbrauch) (t)

 

2019

2020

Transportverpackungen für Versand Produkte an Fachhandel ab OEB (inventurbereinigter Verbrauch) (t)

264,6 Tonnen

222,5 Tonnen

Kartonagen aus mindestens 75% Recyclingpapier (Transportverpackungen) (t)

256,0 Tonnen

214,7 Tonnen

Polybeutel Retoure, ASB)

5,0 Tonnen

3,6 Tonnen

Folien LDPE, LLDPE, HDPE , diverse (t)

3,6 Tonnen

4,1 Tonnen

 
 

Verkaufsverpackungen gemäß VerpackungsVO/VerpackungsG (für Lizensierung. ALLE Produkte, nicht nur für OEB)


2019 2020
Verkaufsverpackungen gemäß VerpackungsVO/VerpackungsG (für Lizensierung. ALLE Produkte, nicht nur OEB) 62,6 Tonnen 68,8 Tonnen
Papier, Pappe, Kartonage (t) (Produktausstattung! Z.B. Schuhkartons, Papp-Banderolen, usw.) 52,4 Tonnen 55,0 Tonnen
Kunststoffe, Folien (t) (Polybags und andere Kunstoffbestandteile der Produktausstattung, der beim Endverbraucher im Haushalt anfällt) 9,5 Tonnen 13,0 Tonnen
Naturmaterialien (t) (Produktausstattung! Baumwollkordeln u.ä.) 0,7 Tonnen 0,8 Tonnen
 
 

Transportverpackungen gemäß VerpackungsVO/VerpackungsG (für Lizensierung, ALLE Produkte, nicht nur OEB)


2019 2020
Transportverpackungen gemäß VerpackungsVO/VerpackungsG (für Lizensierung. ALLE Produkte, nicht nur OEB) 324,6 Tonnen 293,6 Tonnen
Papier, Pappe, Kartonage (t) (Kolb, Mossmann etc., Originalkartons aus Produktion Asien, die weiterversendet werden) 302,2 Tonnen 267,1 Tonnen
Folien (t) (Polybags, die im Handel entsorgt werden, Palettenfolie, Shrinkfolie, Packband, etc.)) 22,4 Tonnen 23,3 Tonnen
 
 
Durch Steigerung unserer Manufakturproduktion sind leider mehr Verkaufsverpackungen angefallen, allerdings durch Verpackungsumstellung auch weniger Polybeutel. Die Transportverpackungen konnten wir durch ein paar Stellschrauben reduzieren, z.B. durch vermehrten Versand in Mehrwegboxen und Direktversand von Originalkartons aus Vietnam.

Geistesblitz gesucht

Am besten sind die Verpackungen, die wir einfach weglassen. Wenn das nur so einfach wäre, wie es klingt… Falls du einen Geistesblitz für uns hast, immer her damit, sag uns deine Meinung! Einfach Mail-Knopf auf dieser Seite benutzen.

Plastiktüten an der Ladenkasse gibt es bei VAUDE schon länger nicht mehr: Falls du wirklich eine Tüte brauchst, kannst du dort eine Papiertüte kaufen.



WWF Tipps zu Verpackungen

  • Vermeide Plastikverpackungen, Plastiktüten und Wegwerfartikel. Tu den Müll dorthin, wo er hingehört.
  • Verzichte auf Zahnpasta und Kosmetika mit Mikroplastik-Kügelchen.
  • Informiere dich über Giftstoffe im Plastik und meide besonders Produkte aus PVC (Polyvinylchlorid) und PC (Polycarbonat).

Mehr Infos direkt vom WWF gibt’s hier


 
 
GRI:   301-1
Eingesetzte Materialien nach Gewicht oder Volumen
GRI:   301-2
Anteil Recyclingmaterial
GRI:   301-3
Zurückgeforderte Produkte und ihre Verpackungsmaterialien
Links
EU verbietet Einwegplastik
(Verbraucherzentrale) Weiterlesen
Ellen McArthur Foundation Infografiken zu Plastik:
The new plastics economy Weiterlesen
Plastikatlas der Heinrich Böll-Stiftung
Weiterlesen
Recycled Claim Standard
Weiterlesen
WWF Mekong Delta Projekt:
Weiterlesen
WWF Projekt Abfallvermeidung Vietnam:
Weiterlesen
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